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Renata Müller-Tiburtius | Blaubeere, 2026

Skulptur

Beschreibung

Gips, Holz, Metall, Lack

60 x 60

Auflage: 4

„Lemons that Sing Stories“ (2021) untersucht die Beziehung zwischen Objekt, Erinnerung und poetischer Assoziation. Im Mittelpunkt des Werks steht eine einzelne, glänzende Gips-Zitrone, die aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst und in eine fast surreale Präsenz verwandelt wurde. Das Werk geht auf ein Gedicht über Zitronen zurück, die begannen, die Geschichten von Vögeln zu singen, die einst in kleinen Käfigen in einem Zitronenbaum gehalten wurden. Die Vögel existieren nicht mehr, doch Spuren ihrer Anwesenheit bleiben bestehen. Der Zitronenbaum gehört dem Großvater der Künstlerin in Makarska, Kroatien. Reduziert auf eine stille skulpturale Form, wird die Zitrone zu einem Gefäß für Abwesenheit und Erinnerung. Ihre poröse Oberfläche deutet auf etwas hin, das nicht mehr hörbar, aber dennoch präsent ist – eine verbleibende Stimme, eingebettet in das Objekt selbst.

Neben der Zitrone erweitern eine Mandarine und eine Heidelbeere diese Kette fragmentierter Erinnerungen zu einer umfassenderen Konstellation von Früchten als Träger abgestufter emotionaler Distanz. Die Mandarine mit ihrem segmentierten Inneren suggeriert eine vielschichtige Struktur der Erinnerung – Erinnerungen, die getrennt, geteilt und neu zusammengesetzt werden können, ohne jemals ganz zu ihrem ursprünglichen Ganzen zurückzukehren. Die Heidelbeere hingegen verdichtet die Erinnerung bis zur fast vollständigen Undurchsichtigkeit; klein, dicht und mit ihrer dunklen Oberfläche fast kosmisch, evoziert sie die Verdichtung von Geschichten, die nicht mehr artikuliert, sondern als Intensität empfunden werden. Zusammen bilden die drei Früchte ein stilles Übersetzungssystem zwischen Präsenz und Verschwinden. Sie stellen nicht wieder her, was verloren gegangen ist, sondern lassen es durch verschiedene Ebenen der Intimität zirkulieren, vom weitläufigen Gedächtnis des Zitronenbaums über das relationale Innere der Mandarine bis hin zur fast undurchdringlichen Einzigartigkeit der Heidelbeere. In dieser Konstellation wird die Frucht zu einem fragilen Archiv, in dem Erinnerung nicht als Tatsache, sondern als sich wandelnde Resonanz bewahrt wird.

Preis

3.620,00 €

Jahr

2026

Typ

Skulptur

Preis

3.620,00 €

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